Kantine

Die Kantine:
Für wen lohnt sie sich? Welche Alternativen gibt es?

Eine Kantine kommt nicht für jede Firma infrage. Wir erläutern die Vor- und Nachteile moderner Alternativen.

Ausschnitt einer Kantine, dem typischen Symbol der Betriebsverpflegung

Warum investieren Firmen in eine Kantine?

Viele Berufstätige verbringen mehr als die Hälfte ihrer produktiven Tageszeit auf der Arbeit. Es ist gut und richtig, dass sie einen hohen Anteil ihres Bedarfs an Kalorien in dieser Zeit zu sich nehmen.

Denn Essen liefert Energie und Nährstoffe. Es beeinflusst für das Wohlbefinden. Zudem ist das Essen mit Kollegen eine regenerative und soziale Komponente im Alltag. Es wirkt sich positiv auf die Zufriedenheit, die Motivation und die geistige Gesundheit aus.

Für Mittagessen zu sorgen ist deshalb ein klares Signal des Chefs. Vor allem wenn es lecker, frisch und abwechslungsreich ist und stark vergünstigt angeboten wird. Es zeigt, dass aktiv etwas für das Wohl der Mitarbeiter getan wird. Umgekehrt erwarten Arbeitgeber ja schließlich auch, dass Mitarbeiter aktiv zum Wohl der Firma beitragen, statt nur Dienst nach Vorschrift abzuliefern. So ist kaum verwunderlich, dass sich die Investition in gutes Mittagessen für Firmen lohnt. Das zeigen viele Erfahrungsberichte (z.B. Wirtschaftswoche).

Sind Kantinen nur etwas für große Firmen?

Das Einrichten einer Kantine erfordert Platz. Des Weiteren wird in der Regel eine hohe Summe für den Bau und die Einrichtung der Kantine fällig. Hinzu kommen laufende Kosten. z.B. für Personal, Reparaturen, Wartungen, Kühlung und Lüftung. Zusätzlich fallen Beträge für Strom, Wasser und Reinigung an.

Dabei essen durch Urlaub, Krankheit, Homeoffice etc. in der Regel lediglich 40-70% der Belegschaft täglich in der Kantine. Für Firmen, die unter 150 Mitarbeiter pro Tag verpflegen, stehen die Kosten der Kantinen deshalb oft nicht im Verhältnis. Ist die Anzahl der Esser und der Zuschuss der Firma zu gering, entsteht eine typische Spirale: Oft wechselnde Betreiber und Unzufriedenheit mit dem Angebot in der Kantine.

Im schlimmsten Fall kommt die Assoziation mit schlechter Gemeinschaftsverpflegung auf, wie man sie z.B. aus einer angestaubten Soldatenschenke oder Mensa bzw. Mensen kennt. Der gut gemeinte Versuch, sich um das Essen der Mitarbeiter zu kümmern, geht nach hinten los.

Welche Alternativen zur Kantine gibt es?

Für kleine und mittelgroße Standorte ist eine eigene Kantine selten wirtschaftlich. Das betrifft die Mehrheit der Firmen in Deutschland. Denn ganze 95% der hier ansässigen Betriebe zählen weniger als 50 Mitarbeiter. Welche Alternativen gibt es für Büros, für die sich die Kantine nicht lohnt?

1. (DITIGALE) ESSENSMARKEN

Diese sind vielen Firmen ein Begriff. Sie sind vor allem dann relevant, wenn es viele Restaurants in der Umgebung gibt. Ein Luxus, der nur wenigen Firmen vorbehalten ist. Zudem schwärmen bei größeren Teams häufig kleine Gruppen in externe Lokale aus. Was dabei verloren gehen kann, ist die betriebsinterne Atmosphäre der Verpflegung am eigenen Standort. Dieses Gefühl der Gemeinschaft ist für viele Firmen ein wichtiger Aspekt.

2. KÜHLSCHRÄNKE

Firmen können sich Kühlschränke mieten, die regelmäßig mit Essen und Getränken aufgestockt werden. Praktisch daran ist, dass Mitarbeiter sich jederzeit Snacks, Getränke, Salate und Mahlzeiten im Büro kaufen können. Anders als in der Kantine gibt es dafür ausschließlich kalte Speisen und Gerichte für die Mikrowelle.

3. LIEFERDIENSTE

Einige gewerbliche Lieferdienste wie mealmates haben sich gezielt auf die Verpflegung von Firmen spezialisiert. Sie liefern ausschließlich an Arbeitsplätze und bilden das vollständige Angebot einer guten Kantine ab. Sie kochen frisch und bieten ausgewogene Gerichte an. Der Speiseplan wechselt täglich. Er beinhaltet außerdem viel Gemüse und Optionen mit und ohne Fleisch. Darüber hinaus ist die Lösung sogar preiswerter und flexibler als eine Kantine.

4. MIETKÖCHE

Mietköche sind eine Option für Firmen mit großer Küche und großem Budget. Von Vorteil ist der Einfluss der Mitarbeiter auf die Speisekarte. Dem gegenüber stehen hohe Kosten. Denn neben den Gebühren für den Koch fallen Kosten an für Vertretung, Ausstattung und Lebensmittel. Eine Abwägung ist, ob Kochen ein Thema ist, das man sich ins eigene Büro holen möchte. Wer sich gerne vor Ort von einem eigenen Koch verwöhnen lässt, für den kann diese Alternative eine Überlegung sein.

5. CATERING

Tüchtige Gastronomen gibt es in jeder Stadt. Viele von ihnen bringen gerne Caterings in Büros. Doch ihre Konzepte sind selten darauf ausgelegt, Tag für Tag verschiedene Geschmäcker unter einen Hut zu bekommen. Die Speisen wechseln seltener als in einer Kantine. Das Angebot kann schnell monoton werden. Auch die korrekte Abrechnung der Zuschüssen kann eine Hürde sein. Zudem fehlt oft die IT, um Bestellungen einzelner Mitarbeiter annehmen und abrechnen zu können.

Welche Lösung am besten passt? Das lässt sich nicht pauschal sagen. Neben dem Platz im Büro spielt die Anzahl der Mitarbeiter eine Rolle. Auch das Budget und die Lage sind wichtig. Ebenso wie die Vorlieben und Gewohnheiten in der Firma. Denn Verpflegung soll vor allem eins: Mitarbeitern guttun. Das gelingt nur, wenn sie auch angenommen wird.

Unser Résumé

Was deutlich wird: Das Image vom schlechten Essen in der Kantine hat sich längst verschoben. Denn Kantinenessen wird frischer und gesünder. Das Wort bzw. die Wörter Verpflegung und Mittagstisch sind nur in den wenigsten Betrieben als Synonyme für einfaches Essen aus der Tüte zu verstehen.

Die betriebliche Gesundheit hört nicht beim Obst für die Mitarbeiter auf. Sie erstreckt sich zunehmend auf alle Bereiche des Arbeitens, auch die Kantine bzw. das Kasino. Dieser Wandel zu einer gesünderen Welt der Arbeit bringt Verpfleger per Definition dazu, sich neu zu erfinden. Der Unterschied: das Image liebloser Massenabfertigung beim Mittagessen um Punkt 12:00 Uhr verliert seine Gültigkeit.

Würde man ein Wörterbuch aus den Rezepten aller Kantinen in Deutschland erstellen, wäre es heute sicher mehr als doppelt so dick wie noch vor 10 Jahren. So manches gutes Betriebsrestaurant kann in Sachen Food Trends gut mit dem hippen Lokal um die Ecke mithalten. Statt ausschließlich Hausmannskost anzubieten, springen Anbieter auf den Zug auf, eine größere Auswahl gesunder und vegetarischer Gerichte anzubieten.